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#AskTheExpert mit Roland Rainer, Head of Maintenance Planning & Control

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Roland leitet die Abteilung Maintenance Planning & Control. Er und sein Team sind dafür verantwortlich, dass sämtliche Wartungsarbeiten an der gesamten SWISS-Flotte ordnungsgemäss geplant und durchgeführt werden und die Flugzeuge rechtzeitig für ihren Einsatz in der Luft bereitstehen. Die aktuelle Situation hat praktisch die gesamte Planung von Wartungsarbeiten und Checks von einem Tag auf den anderen über den Haufen geworfen. Auf einmal sah sich die Abteilung mit Fragen konfrontiert wie: «Welche Flugzeuge brauchen wir für welche Destinationen?», «Wo parken wir Flugzeuge, die wir aktuell nicht benötigen?» und «Wann müssen die Flugzeuge wieder einsatzbereit sein?». Diese Fragen zu beantworten und Lösungen dafür zu finden, bedarf enorm viel Abklärungen, Planung, Abstimmung mit ganz vielen Abteilungen und vor allem einen «kühlen Kopf». Das vor allem auch deshalb, weil sich die Situation fast täglich geändert hat. Jetzt geht es um das Bereitstellen der Flotte für den stufenweisen Aufbau der ursprünglichen Flugoperation.

Auf welche Weise wurde die Flugzeugwartung durch Covid-19 beeinflusst?

Der Lockdown hat die Gesamtheit der Luftfahrt wohl in die grösste Krise aller Zeiten versetzt. Die damit verbundenen Einschränkungen und Beschränkungen haben natürlich auch grosse Auswirkungen für den Bereich der Luftfahrzeuginstandhaltung. Man muss sich vorstellen, wir waren gezwungen innerhalb kürzester Zeit unsere gesamte Flotte auf den Boden zu stellen und waren dann Fragestellungen ausgesetzt wie: «Wo können wir überhaupt so viele Flugzeuge parkieren?», «Welche Instandhaltungstätigkeiten wären notwendig?», «Haben wir das Material für eine Stilllegung auch vorhanden und wie passen wir unsere Wartungspläne an, die ja schon über einen grösseren Zeitraum hinweg festgelegt sind?».

Welche Flugzeuge benötigen im Allgemeinen die meiste Wartung?

Diese Frage kann nicht pauschal beantwortet werden, denn ganz viele verschiedene Faktoren beeinflussen den Wartungsaufwand eines Flugzeuges. So spielen zum Beispiel das Alter und umgebungsbedingte Einflüsse eine Rolle aber auch, ob das Flugzeug auf der Kurz- oder auf der Langstrecke zum Einsatz kommt.

Wie lange dauert es, eine Boeing 777 vollständig zu warten?

Das grösste Wartungsereignis bei einer Boeing 777 ist ein sogenannter D-Check, der alle 12 Jahre stattfindet. Der Check dauert zwischen vier und sechs Wochen und erfordert je nach Umfang zwischen 30’000 und 50’000 Arbeitsstunden.  

Wie wird sichergestellt, dass ein Flugzeug in guter Verfassung ist, nachdem es mehrere Wochen am Boden war?

Hier ist die Aufrechterhaltung der Lufttüchtigkeit eigentlich die massgebende Forderung. Das heisst für alle Flugzeuge, die aus dem regulären Flugbetrieb genommen werden sind auch weiterhin Instandhaltungstätigkeiten notwendig und eben auch gefordert, um sicherzustellen, dass das Flugzeug nach einer Periode der Stilllegung wieder in den regulären Flugbetreib zurückkehren kann. Bevor das Flugzeug jedoch wieder für den Passagierdienst freigegeben wird, ist immer ein sogenannter Return to Service Check erforderlich, erst dann erlauben wir wieder die Rückkehr in den regulären Betrieb.

Wie werden die Triebwerke geschützt, während ein Flugzeug parkiert ist?

Um ein Flugzeug während dem Parken gegen Wind, Wetter und Fremdkörpereinwirkung zu schützen gibt es spezielle «Covers» (Abdeckungen und/oder Planen), die sämtliche Öffnungen am Triebwerk verschliessen.

Wie lange dauert es, bis ein Flugzeug im Standby-Modus wieder flugbereit ist?

Abhängig von der Dauer einer Stilllegung, hier unterscheiden wir zwischen dem Status Parking oder Status Storage, werden unterschiedliche Instandhaltungsmassnahmen notwendig. Wobei während dem Parking eine kurzfristige Reaktivierung möglich ist, ist die Reaktivierung eines Flugzeugs in Storage, das eigentlich auf eine längerfristige Stilllegung ausgelegt ist, deutlich aufwändiger. Befindet sich zum Beispiel ein Airbus A320 im Status Parking, können wir das Flugzeug im Normalfall innerhalb von 24 bis 48 Stunden reaktivieren, abhängig von den notwendig werdenden Arbeiten, die wir aus dem Wartungsprogramm vorgegeben bekommen.

Muss der Treibstoff bei parkierten Flugzeugen abgepumpt werden?

Nein, im Gegenteil, die Flugzeuge werden betankt abgestellt, um die Flugzeuge schwerer zu machen und sie so gegen Stürme zu sichern. Ein Airbus A320 wird zum Beispiel mit mindestens 13 Tonnen Kerosin betankt, um auch bei Windstärken bis 50 Knoten eine sichere Bodenhaftung zu behalten.

Wie oft werden die HEPA-Filter im Flugzeug ausgetauscht?

Die gesamte Flotte der SWISS hat HEPA Filter installiert (Schwebstofffilter – HEPA = High Efficiency Particulate Air filter). Diese Filter werden abhängig vom Flugzeugtyp alle 5000 bis 7500 Flugstunden gewechselt.

Einige Fluggesellschaften entschieden sich, bestimmte Flugzeuge endgültig stillzulegen. Erwägt SWISS ähnliche Massnahmen?

SWISS betreibt eine sehr junge Flotte, ich möchte da vor allem den Airbus A220 und die Boeing 777 erwähnen, aber natürlich stellen auch wir solche Überlegungen an. Dabei orientieren wir uns an unserer langfristigen Flottenplanung und können dadurch auch sehr gut mögliche Kandidaten für ein vorgezogenes Phase-Out, respektive eine Ausserdienststellung identifizieren. Die momentane Situation erfordert es, dass wir uns eben auch an unserer Netzplanung orientieren, um überhaupt festlegen zu können, wann ein vorgezogenes Retirement überhaupt Sinn machen könnte.

Worin sehen Sie derzeit die grösste Herausforderung?

Ich würde sagen, sicherlich äusserst flexibel zu sein und schnell zu reagieren, da sich die Rahmenbedingungen laufend ändern. Zudem ist es wichtig, Zusammenhänge und auch Abhängigkeiten schnell zu erkennen und diese auch abschätzen zu können. Das sind wohl die grössten Herausforderungen in dieser Zeit.