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So entsteht das SWISS Streckennetz

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Wo soll es im Sommer am liebsten hingehen: An die Küste Miamis, zu den Dünen Dubais oder nach Singapur für ein einmaliges Streetfood-Erlebnis? Deine Reise beginnt mit der Wahl der Airline, die Dich in die Ferien fliegt. Dabei zählen nicht nur die Dienstleistung an Bord mit einer gut aufgestellten und zuvorkommenden Cabin Crew, zeitgemässem Inflight-Entertainment oder bequemen Sitzen. Genauso wichtig ist ein umfangreiches Angebot an Reisezielen – das Streckennetz.

Bei SWISS beinhaltet das Streckennetz über 100 Destinationen in mehr als 40 Ländern, die ab Zürich und Genf angeflogen werden. Die Auswahl der Flugziele ist nicht nur ein aufregender, sondern ein entscheidender Prozess, denn erst das Routennetz macht eine Fluggesellschaft für potenzielle Passagiere attraktiv. Eine grosse Verantwortung liegt also beim Network-Management, das für die Streckenplanung einer Airline zuständig ist.

Wie werden die Knotenpunkte zwischen A, B und einem potenziellen Stopover in C ausgesucht? Überzeugt sich der Netzwerkplaner persönlich vor Ort von den Vorteilen einer Destination, bevor diese als neues Ziel vorgeschlagen wird? Was früher durchaus noch in Form einer Feldstudie des lokalen Marktpotenzials ablief, ist heute weitläufig operationalisiert worden. Bevor eine neue Strecke in den Flugplan von SWISS aufgenommen oder eine bestehende Destination vom Streckennetz genommen wird, werden in regelmässigen Intervallen durchgeführte Erhebungen der grössten Märkte der Airline ausgewertet. Welche Ziele ziehen die meisten Passagiere mit Abflug aus der Schweiz an? Aus welchen Ländern reist die höchste Anzahl an Passagieren in die Schweiz? Die Selektionsparameter beziehen sich jedoch nicht allein auf die aktuelle Nachfrage, sondern müssen auch zukünftiges Marktpotenzial voraussehen und miteinberechnen.

Anhand der beiden neuesten Langstreckendestinationen – Osaka und Washington D.C., die ab März 2020 von Zürich aus von SWISS bedient werden, lassen sich die eben genannten Auswahlkriterien gut illustrieren.

Die Analyse der Entwicklungen auf sämtlichen Routen und in allen Märkten von SWISS fliesst in die Ideenfindung des Network-Managements ein, das etwa zehn bis zwölf Monate im Voraus über neue Langstreckendestinationen entscheidet. Bei Kurzstrecken geschieht der Auswahlprozess rund sechs Monate im Voraus. Einen neuen Langstreckenflug anzubieten bedeutet eine längerfristige Investition, deren Erfolg oft auch von gutem Timing abhängt. Eine Service-Lancierung zu einer beliebten Reisezeit – etwa im Sommer – oder zeitgleich mit einem grösseren Event vor Ort, das die Aufmerksamkeit auf die Destination lenkt und sie als Anflugpunkt beliebt macht, ist daher ideal. So beispielsweise die Olympischen Spiele, die im Sommer 2020 in Japan stattfinden werden. Dieses Sportereignis könnte auf die neue Strecke Zürich-Osaka einen wichtigen Einfluss im ersten operierenden Jahr haben.

Als drittgrösste Stadt des Landes ergänzt Osaka die bestehende Verbindung von Zürich nach Tokio in mehreren Bereichen auf ideale Weise: es bietet eine bessere Anbindung zu Touristenzielen wie Kōbe, Nara und Kyōto, die zu den schönsten Städten Japans zählen; das bedeutende Wirtschaftszentrum mit Handelshafen und futuristischen Bauten ist architektonisch sehenswert; die erstklassige Gastronomie Osakas zieht kulinarisch interessierte Touristen an und hat der Stadt gar den Spitznamen «Küche Japans» eingebracht.

Nebst der Kundennachfrage sind auch politische Anforderungen in der Endauswahl zu berücksichtigen. Verkehrsrechte, die den Luftverkehr zwischen der Schweiz und dem Zielland regeln, sind in den Staatsverträgen beider Länder festgehalten; sobald diese vorhanden sind, muss die Airline als Unternehmen im Zielland registriert werden. Dieser meist langwierige Prozess wird vom SWISS External Affairs Team geregelt. Die Frachtdivision (Swiss WorldCargo) ist ebenfalls in das Selektionsverfahren miteingebunden, um fachmännisch die Strecken aus dem Blickwinkel des Frachtgeschäftes beurteilen zu können.

Die Frage nach der Kapazität ist zentral bei der Lancierung einer neuen Route: Wie viele Flieger stehen SWISS zur Verfügung, um eine zusätzliche Strecke bedienen zu können? Durch den neuen Anflugpunkt in Japan kann die bereits bestehende Verbindung nach Tokio mit einer Boeing 777-300ER bedient werden. Das Flaggschiff der Flotte umfasst 340 Sitzplätze. Das neue Ziel Osaka wird hingegen mit einem Airbus A340-300 (223 Sitzplätze) angeflogen. Durch den Airbus-Wechsel und der höheren Sitzkapazität für den Flug von und nach Tokio soll das Potenzial dieser bereits vorhandenen Route vollumfänglich ausgenutzt werden. Zugleich eignet sich für die Anfangsphase einer neuen Flugstrecke ein kleineres Equipment besser, da die neue Route erstmals kultiviert und die Nachfrage generiert werden muss.

Die Slotplanung stellt eine weitere Herausforderung bei der Lancierung einer neuen Verbindung dar, die vom Scheduling Team koordiniert wird. Es vergibt den Fluggesellschaften ihre Flugzeiten und Terminalplätze. Die strukturellen Gegebenheiten des Hubs Zürich diktieren die potenziellen Zeitfenster. Weitere Restriktionen, wie z.B. die Landekapazität des Flughafens, beeinflussen die mögliche Abflugzeit, die nicht immer mit dem beantragten Slot übereinstimmt und am Ende auch für den Passagier zeitlich Sinn machen sollte.

Und wie geht es nach der Implementierung einer neuen Destination weiter? Neue Streckeneröffnungen erfolgen nicht im Jahrestakt. Portfolio-Expansionen bedingen unter anderem eine Erweiterung der Flotte durch Neuanschaffungen und der Einstellung von zusätzlichem Personal. Denn am Ende des Fluges zählt nicht bloss, angekommen zu sein – das gesamte Reiseerlebnis mit SWISS muss für den Passagier stimmen. Und den ersten Schritt setzt hier eben die Streckenplanung.

Ab dem 1. März 2020 fliegt SWISS fünfmal pro Woche von Zürich nach Osaka. Washington D.C. wird ab dem 29. März 2020 täglich von Zürich aus bedient. Von Ende Juni bis Oktober werden zudem sechs neue Ferienziele ab Genf angeflogen: Antalya, Menorca, Djerba, Dubrovnik, Rhodos sowie Ponte Delgada.

Text: Livia Cadalbert