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Ein Tag im Airbus Werk

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Ziemlich genau 116 Jahre ist es nun her, dass die Menschheit „fliegen gelernt“ hat und sich die Gebrüder Wilbur und Orville Wright 1903 zum ersten Mal in ihrem „Wright Flyer“ in die Lüfte von Kitty Hawk erhoben. Seitdem ist das Fliegen über die Jahre zu einer Selbstverständlichkeit geworden. Leicht übersieht man, was für ein enormer Aufwand hinter der Luftfahrt im Allgemeinen und der Fertigung neuer Flugzeuge im Speziellen steckt. Dies durfte ich nun eindrucksvoll aus erster Hand erleben.

SWISS steckt momentan in der grössten Flottenmodernisierung ihrer Geschichte. Seit 2016 sind 12 Boeing 777-300 und 29 Airbus A220 zur Flotte hinzugekommen. Als nächstes ist der Airbus A320neo an der Reihe. Im Frühjahr 2020 soll dieser zum ersten Mal mit der Schweizer Flagge auf dem Leitwerk abheben. Gerade wird der erste „Neo“ in Hamburg montiert. Zu meiner Freude hat SWISS mich gemeinsam mit weiteren Spottern zu diesem Anlass in das Airbus-Werk nach Finkenwerder eingeladen.

Früh am Morgen setzten wir uns in den Flieger in Richtung Norden. Etwas mehr als eine Stunde später erreichten wir die hanseatische Metropole. Mit dem Bus ging es nun etwa 30 Minuten weiter in das Werk in Finkenwerder.

Los ging der Tag mit einem leckeren Buffet und einem Vortrag mit einer kleinen Einführung in die A320neo Familie. Bereits mit der klassischen Airbus A320 Familie hat der europäische Flugzeugbauer ein ganz schönes Brett hingelegt. Ging man Mitte der 1980er Jahre, zum Start der Entwicklung, noch von 600 potenziell verkauften A320 aus, haben sich nunmehr 15’193 Bestellungen von über 300 Kunden angehäuft. Rein statistisch startet alle zwei Sekunden irgendwo auf der Erde ein A320. Der Airbus A320neo soll diese Erfolgsgeschichte mit vielen Verbesserungen fortsetzen.

Neo steht für „New Engine Option“ und beschreibt das wohl markanteste Feature des neuen Typen sehr gut. Die neuen Triebwerke, die auffällig groß sind (mit 2.05m Durchmesser breiter als die Rümpfe der meisten Businessjets), sind sowohl verbrauchsärmer, als auch deutlich leiser. Im Vergleich zum „normalen“ A320 verbraucht der A320neo pro Sitz um die 20% weniger Kerosin. Dies fügt sich gut in die allgemeine Flottenstrategie der SWISS ein. Seit 2003 konnte SWISS durch Investments in eine modernere Flotte den durchschnittlichen Verbrauch pro Sitz um 29% senken. Der „Neo“ ist also weniger durstig und leiser. Und sonst? Airbus hat natürlich nicht nur an die Umwelt und die Anwohner des Flughafen Zürich gedacht, sondern auch an die Fluggäste. Der Hersteller hat es geschafft, die ohnehin schon breite Kabine (7 Zoll breiter als der der Boeing 737) durch eine neue Verkleidung noch etwas breiter zu machen.

Doch genug technische Daten. Unser Weg führte uns in Halle 14 des Airbus-Werks, genauer gesagt zur Linie 3 Station 41. Hier wartete das Flugzeug mit der Seriennummer 9246 auf uns. Zu dem Zeitpunkt waren lediglich das Cockpit und die Rumpfsektion zur sogenannten „Tonne“ zusammengesetzt. In den nächsten Schritten werden nach und nach die Tragflächen, Triebwerke, das Fahrwerk und die Sharklets montiert und der erste Airbus A320neo der SWISS nimmt Gestalt an.

Die verschiedenen Einzelteile werden in ganz Europa gefertigt und schliesslich in einem eigens dafür von Airbus umgebauten Airbus A330, dem „Beluga“ zur Endmontage nach Finkenwerder geflogen. Das Cockpit und die vordere Rumpfsektion kommen zum Beispiel aus Frankreich, die Kabine aus Deutschland, und die Tragflächen aus Grossbritannien. Das Zusammensetzen der mehr als 300’000 Einzelteile ist übrigens zu einem grossen Teil Handarbeit und wird von den mehr als 13’000 Mitarbeitern vor Ort in Schichtarbeit erledigt. Das Flugzeug bewegt sich hierbei fast wie in einem Fliessbandsystem von einer Station zur nächsten.

Damit ging ein für mich sehr eindrücklicher Tag zu Ende. Ich hoffe meine Eindrücke aus dem Airbus Werk Finkenwerder haben euch gefallen. Ich jedenfalls kann es kaum erwarten, den A320neo zum ersten Mal im Farbkleid der SWISS zu sehen.

Über den Autor: Aaron Püttmann (@pilotstories), 26, studierte Aviation Management in Bad Honnef und arbeitet nun bei einem grossen weltweiten Luftfahrtunternehmen als Cargo Charter Consultant. Nebenbei betreibt er mit Pilotstories einen Aviatikblog, in dem er seine Leidenschaft für die Fliegerei mit seinen Leserinnen und Lesern teilt.

Text & Photos: Aaron Püttmann