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Von der ersten Geige zum Piloten

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Jan Liebich fliegt für SWISS als First Officer im Airbus A330/A340 zu pulsierenden Metropolen rund um den Globus. Im Interview erzählt er, weshalb er Pilot wurde und wofür sein Herz sonst noch schlägt.

Wieso bist du Pilot geworden?
Als Elfjähriger durfte ich im Cockpit einer Boeing 747 Platz nehmen. Von diesem Moment an war ich mit dem Fliegervirus infiziert. Drei Jahre später landete ich zum ersten Mal einen Airbus A320. Vorerst zwar nur in einem Flugsimulator, das Erlebnis hat mich aber in meinem Wunsch, Pilot zu werden, bestärkt.

Was begeistert dich am Pilotenberuf?
Der Beruf ist unheimlich facettenreich. Das Zusammenspiel zwischen Mensch, Maschine und Umwelt finde ich faszinierend. Als frisch zusammengewürfelte Crew in einem hoch­ komplexen Raum das Flugzeug sicher, ökonomisch und pünktlich von A nach B zu fliegen ist extrem spannend und erfüllend. Es erwarten einen täglich neue Herausforderungen wie zum Beispiel wechselnde Wetterbedingungen, unterschiedliche Flughäfen, Flugrouten und topografische Gegebenheiten. Und die atemberaubende Aussicht aus dem Cockpit, gepaart mit aufregenden Aufenthalten an exotischen Orten, macht diesen Beruf für mich zu einem echten Traumjob.

Wieso hast du dich für SWISS entschieden?
Das Arbeiten bei SWISS ist für mich ein echtes Privileg. Ich war schon immer stark mit der Schweiz verbunden. Als SWISS 2009 (wie auch heute) intensiv Piloten suchte, fiel mir die Entscheidung leicht.

Wenn du nicht gerade im Flieger bist, stehst du oft auf der Bühne. Was bedeutet die Musik für dich?
Meine Eltern sind beide Profimusiker. Seit ich sechs war, spiele ich leidenschaftlich gerne Geige. Nach der Matura habe ich mich zunächst für ein Studium am Konservatorium entschieden. Da meine Gedanken aber immer wieder zu meiner alten Liebe – der Aviatik – abschweiften, habe ich den Schritt schliesslich gewagt und mich bei der heutigen European Flight Academy beworben. Rückblickend ist das die beste Entscheidung, die ich je getroffen habe. Ein Leben ohne die klassische Musik kann ich mir aber trotzdem nicht vorstellen. Deshalb bin ich auch im Lufthansa Group Orchester mit dabei. In diesem treffen Mitarbeitende aus allen Bereichen zusammen – ein toller Austausch zwischen fliegerischen und musikalischen Themen!

Welche Erfahrungen aus der Musik haben dir den Einstieg in die Aviatik erleichtert?
Der Erfolg eines Konzerts hängt immer vom Zusammenspiel mehrerer Menschen ab, die gemeinsam auf ein Ziel hinarbeiten. Dasselbe gilt fürs Fliegen. Im Auswahlverfahren zum Piloten wird grosser Wert auf koordinative und sensomotorische Fähigkeiten gelegt. Weitere Parallelen sehe ich in der Kommunikation: Speziell in der Kammermusik ist es essentiell, seine Anliegen klar und deutlich, aber mit dem nötigen Respekt und Einfühlungsvermögen auf der Sachebene zu kommunizieren. Eine der wichtigsten Erfahrungen aus der Musik, die sich auf die Aviatik übertragen lässt, ist jedoch das Nachvorneschauen. Egal welche Art von Rückschlag man erleidet oder welcher Fehler einem unterläuft, Aufgeben ist keine Option. Ich denke, diese Einstellung hat mir im Auswahlverfahren sehr geholfen.

Wie gut lässt sich deine Leidenschaft mit deinem Beruf vereinbaren?
Ziemlich gut. Natürlich gibt es ab und an Zeiten, in denen ich etwas weniger zum Üben komme, diese Phasen lassen sich jedoch durch erhöhten Übungsaufwand zu einem späteren Zeitpunkt wieder ausgleichen. Speziell in den Ferien oder während Konzertprojekten wird die Geige oft aus dem Kasten geholt.

Hast du deine Violine auf jedem Flug dabei?
Aber natürlich. Mit meiner Silent Violin kann ich im Hotelzimmer üben, ohne meine Nachbarn und Kollegen zu stören. Sie hat keinen richtigen Korpus, sondern nimmt nur die Schwingungen der Saiten auf und transponiert diese anhand der Tonfrequenz (Hertz Wert) in einen Ton, der mir dann per Kopfhörer weitergegeben wird. Das taktile Gefühl ähnelt dem einer echten Geige sehr, daher ist die Silent Violin eine gute Alternative zum echten Holzinstrument. Der Bogen besteht aus mongolischem Rosshaar, das dafür bekannt ist, bei starken Schwankungen der Luftfeuchtigkeit seine Elastizität beizubehalten. Ein wichtiger Aspekt, wenn man von niedriger 7­ bis 9­prozentiger Luftfeuchtigkeit im Flugzeug zu beispielsweise fast 100­prozentiger Luftfeuchtigkeit in Delhi wechselt.

Aviatik-Spirit: Schon mit elf Jahren wusste Jan Liebich, dass er Pilot werden möchte.

Was würdest du einer jungen Person, die Pilotin oder Pilot werden möchte, mit auf den Weg geben?
Der Beruf des Piloten ist mit Sicherheit kein Nine-to-Five Job und erfordert viele verschiedene Fähigkeiten. Auch der Weg vom Assessment bis hin zum Platznehmen im Cockpit ist nicht leicht, aber mit ausreichend Willenskraft und guter Vorbereitung ist er machbar. Ich würde jedem, der schon immer davon geträumt hat Pilot zu werden, raten, sich auf jeden Fall zu bewerben.