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SWISS FOUR ZERO HEAVY II

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Teil 2: A Layover well spent

Into the desert – Mojave Air & Space Port

Nach einem entspannten Abend in Long Beach und einem ausgiebigen Frühstück beschliessen wir, uns am lokalen Flughafen eine kleine Cessna 172 zu mieten. Unser Tagesziel: Der Mojave Air & Space Port (KMHV), der als Friedhof für alte Kurz- und Langstreckenflugzeuge fungiert. Die trockene Wüstenluft und die nahezu immer scheinende Sonne bieten die perfekten Bedingungen, um ausrangiertes Schwermetall für künftige Besitzer zu parkieren – oder auszuschlachten.

Der Air & Space Port hat nicht nur jede Menge interessante Flugzeuge zu bieten, sondern auch einen anständigen Imbiss respektive leckere Burger und unzählige Requisiten der Gebrüder Burt und Dick Rutan. Burt entwarf in den 1980er-Jahren jenen legendären Rutan Voyager, in dem sein Bruder Dick 1986 in genau neun Tagen, drei Minuten und 44 Sekunden die Welt umrundete. Zu unserer Freude spricht uns ein älterer Herr während des Essens im ansässigen Restaurant an. Es handelt sich um Dick Rutan höchst persönlich! Mit den Worten «Hi, my name is Dick and I flew around the world» begrüsst er uns und plaudert ein wenig aus dem Nähkästchen seiner Non-stop-Weltumrundung.

Wenig später tanken wir unsere Cessna und machen uns auf den «Heimweg». Unsere nächste Etappe führt uns an einen kleinen Flugplatz südlich von LAX – Hawthorne. Von dort aus geht es auf einen Rundflug mit dem Helikopter. Panoramablick auf die Stadt und den International Airport inklusive! Doch bevor wir in Hawthorne landen, lassen wir uns eine ausgiebige Runde um Downtown Los Angeles nicht nehmen. Eine beeindruckende Kulisse, ragen die Wolkenkratzer doch wie Nadeln aus der aufgrund der eminenten Erdbebengefahr sonst recht flachen Bebauung der Metropole heraus.

Nach einem aufregenden Flugtag senkt sich die Sonne im Westen in das Meer und wir geniessen den Sonnenuntergang aus der Luft. Die Nacht bricht herein und das Licht der Sonne wird abgelöst durch ein unendlich erscheinendes Meer aus künstlichen Lichtern. Wir brechen auf, um das abendliche Panorama auf einem weiteren kurzen Flug mit einer Cessna von Hawthorne zurück nach Long Beach einzufangen.

Wir überqueren den Port of Long Beach. Nach dem Hafen von Los Angeles ist dies der grösste Containerhafen der gesamten Vereinigten Staaten von Amerika. Er fungiert als das Tor zum Handel zwischen Nordamerika und Asien und schafft insgesamt über 316 000 Arbeitsplätze.

Bevor wir zur Landung auf Runway 30 in Long Beach ansetzen, werfen wir noch einen Blick auf den Rainbow Harbor und das Hotel unserer Crew.

Wir landen und nach einem ausgiebigen Abendessen wird es Zeit, sich für den nächsten Tag auszuruhen. Der Rückflug steht an.

Rückflug LX 41

Als ich am Gate im Tom Bradley International auf den Rückflug warte, kann ich die Crew bereits im Flugzeug sehen. Zeit für ein Foto von aussen!

Anders als beim Hinflug wird uns nun Patrick als Pilot Flying nach Zürich fliegen und Sales und Thierry werden ihn bei dieser Aufgabe als Pilot Monitoring unterstützen.

Unsere Runway 24L wird uns direkt nach dem Start auf das offene Meer führen. Nach einiger Zeit drehen wir dann nach links ab, um in Richtung Nordosten die Stadt zu überfliegen. Das Briefing endet und es geht los. Wir rollen, vorbei an etlichen Grossraumflugzeugen, unserer Startbahn 24L entgegen.

Mit mehr als 320 km/h verlassen wir den amerikanischen Boden und donnern dem Meer entgegen. Es dämmert bereits beim Start und so bricht über Nevada die Nacht über uns herein. Diese begleitet uns bis weit über den Atlantik. Auf dem Weg dorthin überfliegen wir Las Vegas. Ein sagenhafter Ausblick auf die Sin City bietet sich uns.

Noch einige Stunden gleiten wir durch die Dunkelheit und ich lege mich schlafen. Als ich ins Cockpit zurückkehre, begrüsst uns die Sonne über Grönland in all ihrer Schönheit. Die blaue Stunde zeigt sich von ihrer besten Seite.

Einige Zeit vergeht, bis wir Europas Festland über Frankreich erreichen. Hier zeigt sich einmal mehr, dass Piloten zu jeder Zeit aktiv die Situation einschätzen müssen: Um uns herum bauen sich einige Gewitterwolken auf. Diese werden auf dem im Navigation-Display integrierten Wetterradar in Abstufungen von grün, gelb und rot, je nach Intensität des Niederschlags, angezeigt. Es gilt, sich einen Weg um die Wolken herum oder zwischen ihnen hindurch zu suchen.

Das Wetter beruhigt sich und so geniessen wir einen schönen Anflug an Basel vorbei auf die Landebahn 14 in Zürich.

Das Wetter zu Hause ist sommerlich warm und steht dem in Kalifornien in nichts nach. Kapitän Patrick landet seine Boeing 777-300ER sanft auf dem Schweizer Boden und rollt seine Maschine ans Gate. Ein weiterer Transatlantikflug ist zu Ende. Schneller übrigens als der Hinflug, denn die Jetstreams, starke Windbänder über dem Ozean, wehen mit äusserst hohen Geschwindigkeiten von West nach Ost. Dieser starke Rückenwind führt zu einem ordentlichen Geschwindigkeitszuwachs. Zeit für ein letztes Flugzeugselfie am Gate. LX 41 heavy out!

Nun heisst es Abschied nehmen. Abschied von einem bemerkenswerten Flugzeug und einem Wochenende, das ich in meinem Leben nicht vergessen werde. Ich durfte einen Beruf hautnah kennenlernen, der sich mit keinem anderen vergleichen lässt und der, wie ich finde, immer noch ein absoluter Traumjob ist. Vielen Dank an Sales, Thierry und Patrick und natürlich SWISS, die mir dieses einzigartige Erlebnis ermöglichten. Happy Landings, Euer Aaron.

Über den Autor: Aaron Püttmann (@pilotstories), 25, studierte Aviation Management in Bad Honnef und arbeitet nun bei einem grossen weltweiten Luftfahrtunternehmen. Nebenbei betreibt er mit pilotstories.net einen Aviatik-Blog, in dem er seine Leidenschaft für die Fliegerei mit seinen Leserinnen und Lesern teilt.