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«Triple Seven» Delivery Flight

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Zwei Jahre nach Ankunft der ersten Boeing 777-300ER war es nun so weit, und SWISS holte im März 2018 ihre zehnte und vorerst letzte Boeing 777-300ER in den Boeing-Werken in Everett, in der Nähe von Seattle, ab. Zur Feier dieser letzten Delivery lud SWISS ein Team von rund 50 Leuten ein, darunter Business-Kunden, Journalisten und drei Social-Media-Blogger, am Samstag, 10. März, via Frankfurt mit nach Seattle zu reisen.

Dort angekommen und etwas akklimatisiert, machten wir am Sonntag, 11. März, zuerst eine kleine City-Sightseeing-Tour durch das charmante und vielseitige Seattle. Wirklich eine sehenswerte Stadt, die sowohl Grossstadt-Feeling als auch ländlichere Gegenden bietet. Am Nachmittag besuchten wir die amerikanische Niederlassung der Schweizer Firma Bucher Aerospace. Bucher stellt verschiedene Interieur-Designs für die Aviatik her, unter anderem die Galleys für die Boeing 777-300ER von SWISS.

Am Montag, 12. März, war ein besonderes Programm angesagt: Wir konnten die Boeing-Werke in Everett besuchen – die Geburtsstätte der Triple Seven. Die Werkhalle von Boeing ist volumenmässig das grösste Gebäude der Welt! Darin werden alle grossen Flugzeuge von Boeing zusammengebaut. Bis eine 777 aus insgesamt drei Millionen Einzelteilen zusammengebaut ist, braucht es übrigens rund 14 Wochen.

Rumpf an Rumpf stehen die halbfertigen Flieger in einer grossen Halle und warten darauf, schon bald in all die verschiedenen Städte der Welt zu fliegen. Durch diese Hallen zu gehen und zu sehen, wie die Flugzeuge zusammengebaut werden, ist überwältigend. Es wird einem bewusst, was es alles braucht, bevor ein Flugzeug zum ersten Mal abheben kann, um dann als eines der sichersten Verkehrsmittel tausende von Menschen rund um die Welt zu transportieren.

Am Nachmittag besuchten wir das Boeing Customer Experience Center in Renton. Dort stehen verschiedene Kabinen-Mock-ups der Boeing-Flugzeuge. Wir besuchten das Mock-up der Triple Seven und das des Dreamliners. Es war sehr spannend und faszinierend zu hören, wie viel Psychologie hinter dem ganzen Kabinenbeleuchtungskonzept steckt und dass ganz viele Faktoren Einfluss auf das Wohlbefinden des Passagiers an Bord nehmen.

Am Abend gab es im schönen Chateau Ste. Michelle etwas ausserhalb von Seattle das traditionelle Abendessen mit dem ganzen Delivery Team von Boeing und SWISS. Wir feierten gebührend den Projektabschluss.

Am Dienstag, 13. März, kam dann der grosse Tag: Der offizielle Delivery Event stand an und später auch der Ferry Flight mit der neuen HB-JNJ von Boeing Paine Field nach Zürich. Als wir im Delivery Center in Everett ankamen, wurden wir direkt von unserem Flugzeug begrüsst, das bereits am Abflug-Gate stand und nur auf den grossen Moment zu warten schien. Natürlich wurde die HB-JNJ auch von uns gebührend begrüsst und von allen Seiten bestaunt und fotografiert.

Nach einem ausgedehnten Brunch war es kurz nach Mittag endlich so weit: Boarding! Beim Einsteigen ins brandneue Flugzeug wurden wir von der Crew herzlich begrüsst, wir durften zu unserer Freude in der komfortablen Business Class Platz nehmen. Beim Start war zweimal das laute und typische Geräusch des Start-ups der beiden grossen General Electric GE90-115BL Engines zu hören. Wir wurden darauf durch die Power dieser beiden Triebwerke in die Sitze gedrückt, da wir im Vergleich zu der künftigen Nutzlast des Flugzeugs leicht waren.

Nach einem steilen Steigflug stiessen wir schon bald durch die graue Wolkendecke und erreichten unsere Reiseflughöhe in schönstem Sonnenschein. Bald waren wir über den Rocky Mountains, die uns eine atemberaubende Kulisse boten – alle Köpfe klebten an den Fenstern und hinter den Kameras. Als das Geräusch ertönte, das signalisiert, dass wir unsere Gurte lösen können, machten sich alle sogleich auf Erkundungstour durchs Flugzeug. So schnell wird man wohl nicht mehr in einem Flugzeug mitfliegen, bei dem die Economy Class komplett leer ist und auch sonst jeder Winkel bereit ist, erkundet zu werden.

Abgerundet wurde das Ganze durch einen wunderschönen Sonnenuntergang über den Wolken.

Was diesen aussergewöhnlichen Flug ebenfalls von einem kommerziellen Flug unterschied: Die Cockpittüre blieb bis auf den Start und die Landung immer offen. So konnte jeder Passagier während des fast zehnstündigen Flugs sicherlich einmal die drei sehr offenen und freundlichen Piloten im Cockpit besuchen. Die Aussicht ganz vorne ist nochmals spektakulärer und einmalig.

Nach ein paar Stunden Schlaf auf den bequemen Business-Class-Sitzen war das Schauspiel am Morgen wunderschön. Vom Cockpit aus hatte man einen tollen Blick auf die dünne Mondsichel, die langsam am Horizont emporstieg und den neuen Tag mit sich brachte. Nur einen kurzen Augenblick später waren die ersten hellroten Flecken in der Wolkendecke über England zu sehen, die Sonne erhellte langsam die bläuliche Atmosphäre mit ihrem Licht und auch im Cockpit wurde es zunehmend heller.

Nach diesem Spektakel gab es Frühstück, und dann waren wir auch schon über Frankreich und in der Nähe der Schweizer Grenze. Da machte der Captain eine Durchsage, die bei allen Fluggästen helle Begeisterung auslöste. Ab der Schweizer Grenze sollten uns zwei von Payerne kommende F/A-18 Hornet der Schweizer Luftwaffe begleiten.

Kurz nach der Grenze waren die beiden F/A-18 dann schon als graue Punkte vor der massiven Schweizer Bergkulisse zu erkennen – graue Punkte, die sich langsam von der rechten Seite her näherten. Einige Minuten später flogen die Jets direkt neben uns. Was für ein Erlebnis, von zwei Militärjets eskortiert zu werden! Doch der Höhepunkt war, als wir über Zermatt flogen und im Hintergrund das Matterhorn zu sehen war – pure Swissness!

In der Region von Emmen verabschiedeten sich die beiden Jets schliesslich von uns und unsere Piloten gingen in den Landeanflug über. Mit einer perfekten Landung setzten wir um 08:38 Uhr auf der Piste 14 in Zürich auf – der neuen Homebase der HB-JNJ. Dann war es Zeit für das Lebewohl.

Die HB-JNJ wurde bereits am nächsten Tag in den normalen Linienbetrieb der SWISS aufgenommen. Sie wird in Zukunft Langstreckendestinationen wie Los Angeles, San Francisco, Bangkok und Hongkong anfliegen.

Die ganze Reise war vom Anfang bis zum Schluss ein «Once in a lifetime»-Erlebnis. Jeder Moment war ein Highlight für sich und der Ferry Flight der krönende Abschluss. Gratulation und herzlichen Dank an das ganze SWISS Team, das diese Reise und die Delivery der zehnten Boeing B777-300ER zu einem unvergesslichen Event gemacht hat.

Delia Frauenfelder / @deliafrauenfelder