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High flyer

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Christine Ringger sorgt dafür, dass Sie über den Wolken hochklassig unterhalten werden – und arbeitet dafür auch am Boden mit Hochgeschwindigkeit.

Wer mit dieser Frau mithalten möchte, darf keine Sekunde abhängen. Christine Ringger hat rote Haare und einen feurigen Blick, und sie denkt noch schneller, als sie spricht. Gut möglich, dass Sie noch über ihren letzten Satz nachdenken, während sie schon längst zwei Themen weiter ist. Dass Ringger ein Auge immer bereits auf die Zukunft wirft, liegt an ihrem Wesen und wird gefördert durch ihren Job. Denn sie ist zuständig für das In-Flight Entertainment (IFE), das Unterhaltungsprogramm von SWISS. In einer Welt, in der sich von heute auf morgen alles ändern kann, fällt sie Entscheide, die auf Jahre hinaus gelten müssen. Sie sagt: «In diesem Geschäft bleibt nichts stehen. Wenn du dich nicht bewegst, fällst du zurück.»

Das IFE-Programm gilt auf allen SWISS Langstreckenflügen und umfasst mehr als 100 Filme und 140 Fernsehprogramme, die laufend aktualisiert werden. Dazu kommen Audio-Playlists, CDs, Podcasts und Spiele. Für viele Passagiere ist das Filmarchiv der heimliche Höhepunkt jedes Flugs– genau wie die Schokolade vor der Landung. Denn viele der Filme, die in der Luft gezeigt werden, laufen auf heimischem Boden noch nicht im Kino. Den zeitlichen Vorsprung ermöglichen spezielle Airline-Lizenzen, die es Fluggesellschaften erlauben, Filme drei Monate nach ihrem Kinostart in den USA an Bord zu zeigen. Jeder Film, der heute über Ihren SWISS Bildschirm läuft, hat davor einen weiten Weg zurückgelegt – vom Filmstudio bis auf den Bildschirm von Christine Ringger.

Ringger liebt Filme, seit sie denken kann. Unter ihrer Leitung wurde der IFE Guide zu einem Portal, das den Spagat zwischen Blockbustern und Arthouse-Filmen schafft. Gleichzeitig ist es ihr Anspruch, die Schweiz im Unterhaltungsprogramm nach aussen zu präsentieren und dem Betrachter die heimische Kultur näherzubringen. Fast jeden Film, den sie ins Programm aufnimmt, hat Ringger zuvor selber angeschaut, «zu Hause, in meiner Freizeit», wie sie lachend anfügt. «Zum Glück liebe ich meinen Job.» Beim Entscheid, welcher Film aufgenommen wird, lässt sich die Filmbegeisterte jedoch nicht vom persönlichen Geschmack leiten, sondern von Antworten auf harte Fragen: Interessiert das unsere Kunden? Was meinen die Kritiker? Ist die Schweiz darin akkurat präsentiert?

Ist sie von der Qualität eines Werks überzeugt, ist ihr kein Weg zu weit. So liefen vergangenen Jahr während sechs Monaten die «Tellspiele» an Bord, eine Inszenierung des Klassikers der Schweizer Kulturgeschichte, die Ringger im Theater gesehen hatte und von der sie so begeistert war, dass sie die Initianten danach anschrieb und eine Filmaufnahme der Spiele ins Flugzeug brachte. Ihre Augen blitzen auf, als sie davon erzählt: «Die Produzenten konnten kaum glauben, wie ihnen geschah.» Der Erfolg gab ihr recht: Das scheinbare Nischenprodukt schauten im Monat über 1000 Fluggäste.

Neu ist der Guide vollständig digitalisiert (swiss-inflightentertainment.com). Für Ringger ist das ein Erfolg: Statt sich auf Deadlines konzentrieren zu müssen, ist sie nun bei der inhaltlichen Gestaltung flexibler und kann aktuellere Geschichten aufschalten. Doch auch mit dem neuen System kehrt keine Ruhe in Ringgers Büro ein. Sie muss schon wieder weiter. Es bleibt keine Zeit, stehen zu bleiben. Wer vorankommen will, muss sich bewegen.

Text: Roberta Fischli / Photos: Claudia Link