Sie sind im Begriff eine externe Seite zu öffnen. Deren Inhalte sind möglicherweise nicht für alle Benutzer verfügbar.

Interview mit einer der letzten Cockpit Crews unserer Avro RJ

Auf English lesen

SWISS hat den letzten seiner Avro RJ100s ausgeflottet, welche seit der Gründung des Unternehmens im europäischen Netzwerk in Betrieb waren. Wir haben uns mit der Cockpit-Crew eines der letzten SWISS Avro RJ Flüge unterhalten.

Womit begann euer Traum vom Fliegen?

Mick Weisser: Das war 1977, als ich im Alter von 9 Jahren mit meinen Eltern mit Swissair von Frankfurt nach Zürich geflogen bin. Ich kann nicht mehr genau sagen, was mich damals beeindruckt hat, aber das war der Beginn meines Traums.

Peter Huber: Auch ich träume schon seit Kindesalter vom Fliegen. Sei es beim Beobachten der startenden und landenden Flieger oder beim Bau von Modell- flugzeugen.

Wieso habt ihr euch dazu entschieden, einen Avro RJ (Regional Jet) zu fliegen?
M.W.: In den meisten Fällen ist es nicht die persönliche Wahl, sondern die Bedarfssituation der Firma, die entscheidet, welchen Flugzeugtyp man fliegt. So war es auch bei mir. Doch ich war stets zufrieden, da man bei den Regionaljets viel «Handarbeit» zu erledigen hat, die es auf modernen Flugzeugen so nicht mehr gibt.

P.H.: Der Entscheid, den Avro fliegen zu dürfen, lag ebenfalls nicht bei mir, sondern bei der Firma. Nach der Ausflottung der Embraer ERJ 145 stand für mich nur diese Option offen. Die Unterschiede zum ERJ 145 waren mannigfaltig. Einerseits war dieser schon damals viel moderner als der Avro, vor allem was die Avionik im Cockpit betraf. Andererseits war es zur damaligen Zeit als Pilot eine einmalige Chance, ein vierstrahliges Flugzeug zu fliegen.

An welchen Flug denkt ihr besonders gerne zurück?
M.W.: Ich erinnere mich noch ganz genau an einen Ferryflug, auf dem wir ohne Passagiere ein Flugzeug von Basel nach Genf geflogen sind. Ich war noch ein unerfahrener Copilot und wir mussten uns einen Weg durch ein heftiges Gewitter bahnen. Das war sehr eindrucksvoll.

P.H.: Gerne erinnere ich mich an einen speziellen Charterflugeinsatz zugunsten der Schweizer Luftwaffe. Dabei ging es um die Überführung einer Delegation von F/A-18-Piloten, Mechanikern und Bodenpersonal, welche im hohen Norden ihr Ausland-Ausbildungsmodul absolvierten. Als wir wieder Richtung Zürich flogen, landeten Schweizer F/A-18-Hornet-Kampfjets in der Abenddämmerung. Ein einmaliges Erlebnis, eine einmalige Operation!

Was werdet ihr am meisten an den kleinen Fliegern vermissen?
M.W.: Das werde ich erst wissen, wenn ich im neuen Bombardier C Series sitze. Ich glaube jedoch, dass unsere Regionaljets ein schön zu fliegendes Flugzeug waren. Beispielsweise verhalf uns die eingebaute Luftbremse, sehr schnell abzusinken. Dazu braucht es auf dem neuen Flugzeug eine andere Taktik.

P.H.: Da gibt es schon so einiges, was ich in Zukunft vermissen werde. Ich denke da an die im Flugzeug eingebaute Passagiertreppe oder auch an das seitliche Cockpitfenster, welches komplett geöffnet werden kann.

Was war es für ein Gefühl, zum letzten Mal mit dem Avro abzuheben?
M.W.: Das ist schwer zu beschreiben … Sicherlich etwas Wehmut, dann aber auch die grosse Freude darüber, mit den Kollegen, mit denen ich über viele Jahre sehr eng zusammengearbeitet  habe, diesen letzten Flug durchgeführt zu haben.

P.H.: Es war für mich eine Ehre, den letzten SWISS Avro-Flug durchführen zu dürfen. Mit viel Herzblut und Engagement habe ich in meiner Funktion in den über zehn Jahren zur effizienten Operation dieses Flugzeugtyps beigetragen. Dass diese Ära nun zu Ende gegangen ist, nehme ich mit leicht feuchten Augen zur Kenntnis. Nichtsdestotrotz: Meine berufliche Zukunft als Commander der topmodernen Bombardier C Series ist eine sehr schöne Herausforderung.

 

Text: Sarah Marthaler/Photos: Jen Ries 

 

Die Inforveranstaltung findet in regelmässigen Abständen in Kloten und Genf statt. Mehr Informationen zum Arbeitsort: Cockpit erhältst du auf swiss.com.