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Avro RJ100: Die letzte SWISS Reise der HB-IYQ

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Avro RJ100 Überführungsflug nach Cranfield

Die Ausflottung unserer Avro RJ100 nähert sich dem Ende. 15 Flugzeuge wurden in den vergangenen 10 Monaten aus dem Dienst entlassen und durch die brandneuen Bombardier C Series ersetzt. Während einige Maschinen ihr Dienstalter erreicht haben und verschrottet werden, gehen andere an die sogenannten Lessoren zurück, welche sie dann an interessierte Fluggesellschaften, vor allem aus Afrika oder Südamerika, weiterverkaufen. Für die eigenen Maschinen versuchte SWISS ebenfalls Käufer für den Weitervertrieb zu finden. Bisher konnte SWISS mit Erfolg einige Maschinen an neue Besitzer veräussern. Denn dank der guten Wartung sind unsere Maschinen nach wie vor auf dem Markt gefragt. Wir haben vor einigen Wochen die Crew auf dem Überführungsflug HB-IYQ nach Cranfield in England begleitet.

Es ist ein trüber, regnerischer Tag Anfang Mai, als sich morgens um 7 Uhr die beiden Flugkapitäne Reto Scheidegger und Michael Weisser im OPC zum Pilotenbriefing treffen. Heute steht allerdings nicht eine gewöhnliche Flugrotation auf dem Programm; die beiden sind in einer speziellen Mission unterwegs: Der Überführungsflug der HB-IYQ nach Cranfield nördlich von London steht an. Die Maschine soll ihrem Besitzer, der Leasingfirma Falko, zurückgegeben werden.

Bereits in den Tagen davor wurde die Maschine von einem Technikerteam von SWISS für die Überführung fit gemacht. Unter anderem mussten umfangreiche Dokumentationen zusammengestellt werden, welche die einwandfreie Wartung der Maschine garantieren. «Denn wenn etwas nicht in Ordnung ist oder wenn Dokumente fehlen, kann das ganz schön ins Geld gehen», sagt Werner Reiser, Phase-out-Verantwortlicher bei SWISS.

Gegen 7 Uhr haben die beiden Überführungspiloten das Briefing beendet. Nun stösst auch noch Karl Wilkinson dazu. Er ist der Vertreter von Falko (Lessor). Er hat die Aufgabe, den Überführungsflug zu begleiten und während des Fluges die Funktionstüchtigkeit der Maschine zu überprüfen und zu dokumentieren. Karl ist ein alter Hase seines Fachs und kennt fast jede Schraube. Karl hat seinerzeit die Einflottung dieses Flugzeugtyps bei Crossair organisiert und eine Zeit lang auch bei SWISS den «Jumbolinio» betreut.

Kurz vor 8 Uhr hebt die «India Yankee Quebec» mit dem Dreierteam an Bord zum letzten Mal von Zürich ab und steigt in den grauen Morgenhimmel. Michael Weisser steuert die Maschine mit der Flugnummer LX 5210 jedoch nicht in Richtung England, sondern in Richtung Niederlande. Auf dem Programm steht als Erstes ein Zwischenstopp auf dem kleinen Flughafen Rotterdam. Der Grund sind Zollformalitäten, welche für die Einfuhr nach Grossbritannien noch erledigt werden müssen, weshalb die Maschine zuerst in einem anderen EU-Land zwischenlanden muss.

Nach einem rund 40-minütigen Flug setzt die Maschine in Rotterdam auf. Jetzt heisst es für die beiden Piloten erst mal warten. Sie machen es sich in einer kleinen Lounge direkt neben dem Rollfeld gemütlich, während Karl die Zollformalitäten koordiniert. Er ist bis jetzt zufrieden. Während des Fluges hat er keine Unregelmässigkeiten festgestellt.

Kurz nach dem Mittag dann das erlösende Telefonat. Das Flugzeug ist für die Überführung freigegeben. Schon kurze Zeit später startet die Maschine zu ihrer Enddestination Cranfield. Nach rund 30 Minuten überfliegen wir den kleinen britischen Provinzflughafen und setzen nach einer Schlaufe zur Landung an. Hier in Cranfield geht für die HB-IYQ die Zeit bei SWISS zu Ende. Schon bald wird sie unter einer neuen Immatrikulation weiter ihre Dienste leisten. Doch bis es so weit ist, wird die Maschine von Mitarbeitenden der dortigen Maintenance-Firma Avalon nochmals auf Herz und Nieren geprüft.

Für die beiden SWISS Piloten ist die Arbeit nun zu Ende. Etwas Wehmut bleibt. War es doch immer etwas Besonderes, diesen Flugzeugtyp zu fliegen, sind sie sich einig. Deadhead geht es später wieder via London Heathrow zurück nach Zürich.

 

Text: Reto Hoffmann, Florian Flämig/ Photos: Reto Hoffmann

 

 


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