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Jetzt wird wieder die Schulbank gedrückt

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Ein bisschen nervös war ich schon. Der erste Schultag ist immer etwas Besonderes, das wird sich nie ändern. Was ziehe ich an? Wie sind meine Klassenkameradinnen und Kameraden? Was erwartet mich? Eine Mischung aus Vorfreude und Unsicherheit begleitete mich auf dem Weg zum Flughafen. Endlich konnte das Abenteuer über den Wolken starten:

An einem Donnerstagmorgen um 8 Uhr früh war es dann soweit. Treffpunkt: Vor dem Operation Center 1 (auch OPC genannt) am Flughafen. Die Stimmung war von Anfang an locker, einige kannten sich bereits vom Assessment Tag. Unsere Teamleaderin hat uns warm willkommen geheissen und schwups sassen wir auch schon in einem Raum, mit süssen Namenstäfelchen und viel SWISS Dekoration.

Wie gewohnt durften sich am Anfang alle vorstellen. Schnell wurde klar: Wir sind eine buntdurchmischte Klasse! Viele verschiedene Backgrounds und Geschichten – definitiv eine dynamische Gruppe. Auch vom Alter her. Doch egal ob 35 oder 19 Jahre alt – die anstehende Ausbildung war für alle die Gleiche. Nach der Vorstellungsrunde war ich nun noch gespannter, den einen oder anderen besser kennenzulernen.

Der Inhalt des Vormittags bestand hauptsächlich darin, mehr über die SWISS Welt zu erfahren. Dies wurde durch verschiedene Gruppenarbeiten gelöst. Beispielsweise lernten wir die SWISS Werte kennen und analysierten ihre Bedeutung. Zudem gab es einen kleinen Ausflug in die Social Media Welt der SWISS. Wer ein so grosses Unternehmen repräsentiert, sollte einige Do’s and Dont’s einhalten. Schliesslich wird man in der Uniform jederzeit und überall sofort erkannt.

Nach dem Mittagessen gab es dann eine „Schnitzeljagd“ durch das OPC. In kleinen Teams haben wir verschiedene Stationen besucht. So zum Beispiel das „Crew Service Center“ oder unser „Team Support Office“. Somit konnten wir unseren „Flug-Vorbereitungsplatz“ spielerisch kennenlernen.

Das Beste kam dann natürlich zum Schluss. Die Destination unseres jeweiligen Schnupperfluges wurde endlich preisgegeben. Nachdem wir den ganzen Tag darüber gemutmasst hatten, waren alle sehr gespannt.

Der Schnupperflug soll uns angehenden Cabin Crew Membern vor Augen führen, was uns nach unserer Ausbildung in unserer täglichen Arbeit erwarten wird, wie eine kleine Schnupperlehre. Wir sind dabei als „zusätzliche“ Person auf dem Flug und führen noch keine Emergency-Duty aus. Das dürfen wir dann erst nach unserem Lizenztraining, welches in den folgenden Ausbildungswochen auf uns zukommt.

Nachdem meine Gruppe als Letzte wieder ins Zimmer zurückkam, ertönten bereits allerlei europäische Städte von allen Seiten. Madrid, Rom, Barcelona, Stockholm, Amsterdam. Wo war nur mein Blatt? Wo würde ich wohl zum ersten Mal Passagiere im Flugzeug begrüssen dürfen? Etwas ungeduldig meldete ich unserer Teamleaderin, dass ich mein Dokument nicht finden konnte. Wegen eines Systemfehlers fehlte es. Ich musste meine Neugier also noch ein wenig zügeln – was gar nicht mal so einfach war. Die Mitarbeiter vom Support Team haben glücklicherweise alles daran gesetzt, meinen Schnupperflug ausfindig zu machen. Am nächsten Tag kam dann der erlösende Anruf. Siehe da – das Warten hatte sich gelohnt. Ich Glückspilz konnte sogar wählen, ob ich nach Madrid oder nach London möchte. Da London von Anfang an mein absoluter Favorit war, fiel mir die Entscheidung dementsprechend leicht. London is calling, baby! Und dass schon am kommenden Wochenende.

Am Sonntagnachmittag machte ich mich also auf den Weg Richtung Flughafen. Adrett gekleidet, wie wir es am ersten Tag gelernt hatten. Natürlich mussten unbedingt noch ein neuer Blazer und ein paar neue Hosen her. Für den ersten Eindruck hat man schliesslich nur eine Chance. Mit dem SWISS Pin auf der linken Brust fühlte ich mich schon sehr SWISS-like. Jetzt konnte nichts mehr schief gehen.

Etwas nervös wartete ich vor dem Briefingraum, viel zu früh natürlich – wie es sich gehört. Als mich die Crew begrüsste war das Eis sofort gebrochen, alle waren super nett und sympathisch – meine Nervosität vorerst mal weg.

Im Briefing teilte der Maître de Cabine uns die wichtigsten Informationen mit. Wie viele Passagiere wir in der SWISS Business und in der SWISS Economy erwarten dürfen – wie viel Spezialessen geladen sind und ob wir VIP’s, HONS oder SENS an Bord haben. Zudem wurden auch die verschiedenen Arbeitspositionen verteilt, zwei rechts, drei rechts und vier links. Ich verstand nur Bahnhof, äh, Airport!

Einige Minuten später stiessen dann die Piloten dazu. Sie begrüssten uns höflich und zählten noch weitere essentielle Eckdaten auf: Flugzeit, Wetter und ob wir mit Turbulenzen rechnen müssen. An diesem milden Sonntagabend sah alles klar aus.

Vom OPC ging es durch die Security und dann direkt zum Flieger. Zu meiner Freude war es ein Airbus A320P. Wie ich finde, ein wunderschönes Flugzeug!

Der Flug verlief nach Plan. Passagiere und Crew waren alle gut drauf. Als es hiess: „Martina, du fragst die linke Reihe, was sie zu trinken wollen und ich die rechte“, war meine Nervosität schlagartig wieder da! Vor lauter Unbeholfenheit habe ich etwas Apfelsaft über einen Passagier geschüttet. Sein ausgeklappter Tisch ersparte mir eine Peinlichkeit – und ihm einen Fleck auf der Hose. Ich entschuldigte mich höflich und er lächelte. Falls der besagte Passiergier das gerade lesen sollte, nochmals Entschuldigung. Mit Charme lassen sich fast alle Probleme lösen. Lektion Nummer eins gelernt.

Da ich die Produkte noch nicht genau kannte, wollte ich gewissen Gästen Fanta oder Eistee servieren. Das gehört alles dazu, wenn man neu ist! Spätestens ab Reihe 4 hatte ich dann langsam den Dreh raus. Ein sehr eigenartiges Gefühl, plötzlich so vielen Menschen ausgesetzt zu sein. Wissen alle, dass ich meinen ersten Tag habe? Beobachten alle kritisch jeden Handgriff, den ich mache?  Jetzt nur nicht aus der Rolle bringen lassen. Das braucht ein wenig Übung, aber man gewöhnt sich sicher schnell daran.

Am Schluss durfte ich noch unsere weltberühmten SWISS Schöggeli verteilen und eines der übriggebliebenen Business Meals naschen. Total lecker!

Erschöpft aber überglücklich landeten wir an diesem Sonntagabend wieder in Zürich.

Für mich ein klasse erster Tag, voller Eindrücke und mit der Bestätigung am richtigen Ort zu sein. Ein Abenteuer über den Wolken, hier wollte ich hin – hier will ich erst einmal bleiben!

Ich konnte es kaum erwarten am nächsten Morgen meiner Klasse über das Erlebte zu berichten und natürlich auch zu erfahren, wie es allen anderen ergangen war. Mein erster Tag war auf jeden Fall gelungen. Ich werde mich noch lange und gerne daran erinnern.

Im nächsten Beitrag geht es wild zu: Ich berichte, wie meine Klasse den „Safety und Medical“ Kurs erlebt hat und wo ich an meine Grenzen gestossen bin. Dies waren definitiv die zwei intensivsten Wochen der Ausbildung. Also, fasten your seatbelts and stay tuned.