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Wo Boston entspannt

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Boston ist eine der bekanntesten und schönsten Metropolen der USA. Jedes Jahr lockt die Stadt tausende von Touristen aus der ganzen Welt an. Wer sich anschliessend vom Grossstadtalltag erholen will, kann dies in Gloucester tun, einer kleinen Küstenstadt etwa eine Stunde nördlich des Stadtkerns.

Gloucester haben wir ganz zufällig entdeckt. Wir wollten einfach raus aus der Stadt und mal ein zwei Tage irgendwo an der Küste verbringen. Nun liegen wir auf unserem Bett in einem winzigen, aber urgemütlichen Zimmer im Long Harbour Inn, geniessen einen Kaffee und beobachten durch unser Panoramafenster, wie eine gleissend rote Sonne aus den tosenden Wellen des Atlantiks empor steigt.

Meist ist das Meer hier eher ruhig, teilweise sogar spiegelglatt. Im Sommer laden die schönen, flach abfallenden Sandstrände, zum Baden ein. Jetzt ist allerdings Oktober und See und Luft sind bereits herbstlich kühl. Trotzdem sind viele Surfer im Wasser, denn für sie sind die gut zwei Meter hohen Wellen ein seltenes Geschenk. Auch zwei Kajakfahrer sind unterwegs. Mühsam erkämpfen sie sich ihren Weg aus der Bucht ins offene Meer, werden dabei immer wieder von Wellen überspült und umgerissen, um dann oben auf den Schaumkronen wie auf einem Wildwasserfluss wieder an Land zu reiten.

Eigentlich wollten wir heute eine Whale Watching Tour machen, was von Gloucester aus besonders eindrucksvoll sein soll, da die Wale sich meist nahe der Küste aufhalten und leicht auffindbar sein sollen. Bei dem heutigen Wellengang ist allerdings absolute Seefestigkeit ein muss. Und das sind wir leider nicht.

Wir gehen hinunter an den Strand, atmen die kühle Seeluft, lauschen dem donnern der Wellen und den Schreien der Möwen. Die ersten Leute sind schon unterwegs: Ein älteres Paar, das die Surfer beobachtet, ein Mann, der seinem Labrador Stöckchen wirft, eine Frau, die am Wasser entlang spaziert. Am Ende des Strandes entdecken wir einen jungen Seehund, der versteckt hinter einem Fels im Sand ruht. „Keine Seltenheit zu dieser Jahreszeit“, wie uns die Dame an der Hotelrezeption später erzählt. Besonders ist jedoch, dass er uns ganz nah an sich herankommen lässt, so nah, dass wir ihn beinahe streicheln könnten. Mit seinen grossen schwarzen Knopfaugen und dem glänzenden Fell sieht er fast aus wie ein Kuscheltier. Wir beobachten ihn kurz, gehen dann aber bald weiter, um ihn nicht zu verjagen.

Wieder im Hotel holen wir uns jeder einen Donut und noch einen Kaffee und setzten uns auf die Terrasse, die angeblich bereits zwei Filmen als Drehort diente. In Gloucester selbst wurden u.a. Szenen aus „Meerjungfrauen küssen besser“ mit Winona Ryder und Cher (1990), „Der Sturm“ mit George Clooney und Mark Wahlberg (2000) und „Moonlight Mile“ mit Dustin Hoffmann und Jake Gyllenhaal (2002) gedreht. Es ist leicht zu verstehen, weshalb ausgerechnet dieses Fischerdorf eine beliebte Kulisse für Spielfilme ist. Auch wenn die Luft heute ein wenig kühl ist, geniessen wir die Morgensonne und die fantastische Aussicht auf das Meer in vollen Zügen. Für uns ist dies ein perfekter Start in den Tag.