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Indian Summer

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Wenn die Nächte in Ostkanada und im Nordosten der USA gegen Ende September kälter werden, hält der Indian Summer Einzug. Dann färben sich die Ahornbäume in leuchtende Rot- und Orangetöne – ein überwältigendes Naturschauspiel.

Als wir die Küstenstrasse von Halifax Richtung Osten entlang fahren, haben wir die Befürchtung, dass wir zwei Wochen zu früh sind. Die meisten Bäume sind noch tief grün. Hier und da bekommen wir eine wenig imposante gelbbraune Birke zu sehen, ab und an einen roten Strauch.

Viele Jahre haben wir uns vorgenommen einmal den Indian Summer mit zu erleben. Als beste Reisezeit hatten uns Freunde aus Kanada Ende September bis Ende Oktober empfohlen. „Das kann aber von Jahr zu Jahr etwas schwanken“, erklärten sie uns. „Fahrt am besten von Halifax über Gaspé nach Montreal. Die Strecke ist besonders imposant.“ Deshalb hatten wir einen Flug nach Halifax gebucht und den Beginn unserer Weltreise extra um zwei Wochen nach hinten verschoben. Thurid ist enttäuscht.
Als die SWISS Maschine in Zürich abhob, waren wir uns sicher, dass wir den Indian Summer sehen würden. Ende September, also eigentlich genau die richtige Zeit. Doch bereits Montreal/Kanada, wo wir umsteigen mussten, wurden wir von einem wunderschönen grünen Sommer empfangen. An Herbst war hier noch nicht zu denken.
Halifax erreichten wir erst nach Einbruch der Dunkelheit. Den nächsten Morgen konnten wir kaum abwarten. Unser Hotel verliessen wir bereits kurz nach Sonnenaufgang, um nach einem Abstecher im Stadtzentrum die Küste entlang Richtung Osten zu fahren. Auch hier war vom Indian Summer wenig zu sehen.

Etwa 70 Kilometer sind wir nun auf der Küstenstrasse von Nova Scotia unterwegs. Wir halten an einem kleinen, wenig vielversprechend aussehenden Imbiss in Lake Charlotte namens Family Fries, wo wir, zu unserer Überraschung, das wahrscheinlich beste Lobstersandwich und die besten Süsskartoffel Pommes Frites von ganz Kanada essen.

Danach setzen wir unsere Tour Richtung Osten fort. Da wir eigentlich in die Gaspesié wollen, biegen wir schliesslich bei Musquodoboit Harbour auf die 357 ins Inland ab. Die Strasse führt hier bergauf. Und dort steht er, unser erster feuerroter Ahornbaum. Seine Farbe ist so intensiv, dass sein Anblick fast in den Augen schmerzt. Einen so roten Baum haben wir noch nie gesehen.

Je weiter wir ins Inland kommen und je höher über Meeresspiegel, desto kräftiger und vielfältiger wird nun die Blätterpracht. Hinter jeder Kurve wartet ein neues “Wow”-Erlebnis auf uns. Wir halten an einer kleinen Brücke und steigen aus. Hier fliesst ein schmaler Fluss, entlang dessen Ufer sich die prächtigsten Bäume reihen. Es ist Nachmittag und die Sonne steht bereits tief am Himmel. Ihre Strahlen lassen die Farben der Bäume noch intensiver erscheinen. Sonnengelbe Birken und Eschen und Ahornbäume in intensiv leuchtenden Orange- und tiefen Rottönen. Sanft spielt der Wind mit den bunten Blättern. In der Luft liegt der sanfte Geruch von frisch gemähtem Gras und feuchter Erde und unter uns flüstert der Fluss.

Wir fahren noch, bis es fast dunkel ist. Weit kommen wir an diesem Tag trotzdem nicht. Viel zu oft halten wir an, um die Farbenpracht der Bäume zu geniessen. Ein Indian Summer wie aus dem Bilderbuch!